Titel Geswchichtswerkstatt Sommer


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Leserbrief zum Artikel „Namensgeber mit weißer Weste gesucht“
Hellweger Anzeiger, 24.02.2010

 

In Ihrem Artikel „Namensgeber mit weißer Weste gesucht“ wurde eine Stellungnahme zitiert, dass sich die aus Unna stammende Kunstfliegerin Thea Rasche als Namensgeberin schon deshalb erübrigt habe, weil sie Mitglied der NSDAP gewesen sei.

Wenn man schon die Geschichte bemüht, sollte man sich jedoch genauer informieren.  Zutreffend ist zwar, dass Thea Rasche nach ihrer Rückkehr aus den USA Mitglied der NSDAP wurde. Diese Tatsache sollte aber objektiver eingeordnet und bewertet werden. Nicht großdeutsche Machtansprüche, krude Ideen und verbrecherische Ziele der Nazis waren Thea Rasches Traum, sondern die Begeisterung für das Fliegen und weltumspannende Wettbewerbe für den Frieden. Das waren neben ihren persönlichen Leistungen die Gründe, weshalb sie von mehreren amerikanischen Präsidenten (Coolidge, Hoover, Roosevelt) empfangen und in den USA gefeiert wurde. Gerne wäre sie dort geblieben, musste aber aus finanziellen Gründen nach Deutschland zurückkehren.

Dort trat sie zwar – wie viele andere – die eine anspruchsvolle Arbeit haben wollten, der NSDAP und später auch dem NS-Fliegerkorps bei. Ihre Flugbücher kamen jedoch – wie die WELT am 11. August 1999 schreibt - auf die schwarze Liste. Offizielle Begründung: Ihre Werke zollten den ausländischen Fliegern zu viel Anerkennung.“  Der Spiegel berichtete in seiner Ausgabe 22 des Jahres 1947 über Thea Rasche: „…die deutsche Fliegerin, wurde in Berlin entnazifiziert. 1933 gab sie ihre Tätigkeit als Fliegerin auf und wurde Hauptschriftleiterin der "deutschen Flugillustrierten". Nach dem Standpunkt der Entnazifizierungskammer soll sie nur als nominelles Mitglied der NSDAP betrachtet werden, da sie sich von den Zielen der Partei abgesetzt habe und dies in ihrem Handeln zum Ausdruck brachte.

Die Historikerin Evelyn Zegenhagen schreibt u. a. über Thea Rasche, dass sie bei der Entnazifizierung angegeben habe, dass die Anmeldung in der NSDAP ohne ihr Wissen von ihrem Flugsportverein vollzogen worden sei. Als Chefredakteurin der Deutschen Flugillustrierten habe sie unverkennbar versucht, den bisherigen Frauen-Schwerpunkt beizubehalten, was angesichts der zunehmenden Gleichschaltung der deutschen Presse „keine unbeträchtliche Leistung“ gewesen sei.

Bedenkenträgern, der Name Thea Rasche sei für einen Platz in ihrer Geburtsstadt Unna ungeeignet, kann noch gesagt werden, dass es in Berlin Gatow seit dem 28. August 2000 eine Thea-Rasche-Zeile gibt. Die Straße liegt zwischen Seekorso und am Donnerberg  und hat die PLZ 14089.

Klaus Thorwarth
für die Geschichtswerkstatt Unna

Hellweger Anzeiger, 22. 02. 2010  

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